Achtsamkeitsbasierte Psychotherapie

Die grundlegenden Prinzipien der Achtsamkeitsbasierte Psychotherapie werden bei Bedarf sowohl in der Paar- als auch in der Einzeltherapie angewendet.

 

In der achtsamkeitsbasierten Psychotherapie werden zuerst die grundlegenden Fertigkeiten der Emotionsregulation vermittelt und darauf aufbauend kann eine sehr breite Palette von Symptomen und Schwierigkeiten in einer auf die persönlichen Anliegen zugeschnittenen Begleitung angegangen werden.

 

Die Entstehung von Emotionen in unserem Nervensystem

Der namhaft Hirnforscher Antonio Damasio beschreibt dies Folgendermassen:

„Emotionen werden durch Strukturen produziert, die tief im Gehirn verborgen sind. Als erstes reagiert die winzige, mandelförmige Amygdala auf ein emotionales Ereignis (mehr zur Amygdala im Menu „Downloads“ im Handout „Amygdala Alarm“). In Sekundenbruchteilen löst sie eine Serie von Reaktionen im emotionalen Kern des Gehirns aus. Wellen von Nervenimpulsen wandern vom Gehirnstamm in den Körper hinunter und lösen unmittelbar eine viszerale Reaktion (Bauchgefühl) im Körper aus. Die Maschinerie, welche Emotionen erzeugt, arbeitet die meiste Zeit, ohne dass wir überhaupt etwas merken. Unsere Haltung und Gesichtsausdruck ändern sich. Die inneren Organe arbeiten anders, und bereiten den Körper darauf vor, was als nächstes gebraucht wird. Chemische Reaktionen werden erzeugt, von denen wir nie wissen werden, dass sie existieren. All das zusammen erzeugt den emotionalen Zustand. Nach der Erzeugung einer Emotion nimmt man dies nur wenige Millisekunden später bewusst wahr. Der Körper schickt die Signale zurück in eine Gehirnregion, die für bewusstes Denken verantwortlich ist. Dadurch werden wir unserer Emotionen bewusst.“

 

Emotionen werden also im emotionalen Kern, dem limbischen System, völlig unbewusst produziert und danach als Erregung in den Körper weitergeschickt, wo wir entsprechend angenehme oder unangenehme Körperempfindungen in Bauch, Brust, anderen Bereichen oder dem ganzen Körper wahrnehmen. Die Wahrnehmung dieses „Bauchgefühls“ wird durch andere Nervenzellen dem bewussten Teil unseres Gehirns (Grosshirnrinde, Neocortex) weitergeleitet. Erst jetzt wird die Emotion bewusst wahrgenommen.

 

Körperwahrnehmung und Stressbewältigung

Was hat dies mit Stressbewältigung und der Regulation von schwierigen Gefühlen zu tun?

1) Je besser unsere Körperwahrnehmung ist, desto besser wird die Wahrnehmung unserer Emotionen sein. Haben wir eine mangelhafte Körperwahrnehmung, werden wir Stress eher nur dann wahrnehmen, wenn die Anspannung bereits recht stark ist. Haben wir eine gute Körperwahrnehmung, werden wir bereits feine Anspannungen wahrnehmen und können entsprechend früher reagieren und Gegenmassnahmen treffen.

2) Je stärker eine Emotion, umso stärker die körperliche Erregung, die sie begleitet (siehe „Amygdala Alarm“). Wir können dieser physiologischen Komponente der Emotionen nur dann wirksam begegnen, wenn wir unsere Physiologie gut kennen, wenn wir also gut mit unserem Körper verbunden sind.

 

Dies bedeutet, dass eine gute Körperwahrnehmung eine unabdingbare Voraussetzung für eine wirksame Stressbewältigung und Emotionsregulation ist. Wenn wir besser Klavier spielen wollen, müssen wir uns ans Klavier setzen und immer wieder Klavier spielen. Wollen wir besser Ski fahren, müssen wir immer wieder in die Berge und Ski fahren gehen. Wollen wir unseren Körper besser wahrnehmen, müssen wir immer wieder unseren Körper wahrnehmen.

Der erste Schritt für eine wirksame Stressbewältigung ist ein verbesserter Aufbau der Körperwahrnehmung. Es gibt wohl niemanden, der keinen Nutzen davon haben wird, in Achtsamkeitsübungen die Aufmerksamkeit immer wieder auf die Wahrnehmung des Körpers zu richten.Darauf aufbauend kann dann der Umgang mit schwierigen Emotionen und Gedanken angegangen werden.

 

Unter "Downloads" (zweitunterster Download) können Sie meine Empfehlung für Achtsamkeitsprogramme herunterladen:

Empfehlung von Achtsamkeitsprogrammen